
Pflanzen des Jahres 2026
Baum, Blume, Bambus, Wildpflanze des Jahres 2026: Die ausgewählten Protagonisten vereinen viele Eigenschaften – klimaresilient, insektenfreundlich, auffällig schön und leider selten – und werden im kommenden Jahr besondere Aufmerksamkeit erhalten.
von Redaktion erschienen am 27.11.2025Baum des Jahres ist die Zitter-Pappel (Populs tremula) geworden. Mit dieser Wahl rückt die Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung eine Baumart in den Fokus, die sinnbildlich für Widerstandskraft, Artenvielfalt und Erneuerung steht.
Die Zitter-Pappel – auch bekannt als Espe oder Aspe – ist in ganz Europa heimisch und ein wichtiger Pionierbaum. Sie besiedelt offene Flächen, trägt zur Regeneration von Wäldern bei und ist in Zeiten des Klimawandels somit ein Hoffnungsträger für die Wiederbewaldung und für stabile, vielfältige Mischwälder. Sie bietet zahlreichen Tieren Lebensraum. Über 60 Schmetterlingsarten, darunter der Große Schillerfalter, nutzen sie als Futterpflanze, und viele Vogelarten profitieren von ihrem reichen Insektenangebot.
Ihr typisches „zitterndes“ Laub verdankt sie dem seitlich abgeflachten Blattstiel – schon ein leichter Wind versetzt ihre Krone in Bewegung. Im Herbst verwandelt sich ihr Blätterkleid in ein leuchtendes Goldgelb – ein faszinierendes Schauspiel in der Landschaft. Dabei erreicht sie als mittelgroßer Laubbaum eine Höhe von meist 15 bis 25 Metern.
Auch wirtschaftlich ist die Zitter-Pappel von Bedeutung: Ihr helles, leichtes Holz wird zur Herstellung von Papier, Sperrholz und Zündhölzern genutzt. Historisch diente sie zudem als Heil- und Nährpflanze – ihre Rinde enthält natürliche Salicylate, die ähnlich wie Aspirin wirken.
Als Blume des Jahres führt der Feldrittersporn (Consolida regalis) in die Feldflur. Die Loki Schmidt Stiftung macht auf den dramatischen Artenschwund in den Agrarlandschaften aufmerksam und setzt sich für den Schutz einer extensiv genutzten und daher artenreichen Kulturlandschaft ein.
Der Feldrittersporn ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse und bevorzugt sonnige und kalkhaltige Böden mit regelmäßiger Bodenstörung, wie sie extensiv bewirtschaftete Getreideäcker, Brachflächen und Wegränder bieten. Er wird 15 bis 50 cm hoch, hat einen schlanken, fein behaarten Stängel und stark zerteilte, fadenförmige Blätter, die Wasserverluste an trockenen Standorten minimieren.
Im oberen Bereich entwickelt die Pflanze einen lockeren Blütenstand mit auffälligen Einzelblüten. Sie sind meist kräftig blau-violett gefärbt und besitzen einen langen, schmalen Sporn, der sich aus dem obersten Kelchblatt bildet. Die Blüten öffnen sich nacheinander von unten nach oben, wodurch die „Blume des Jahres 2026“ von Mai bis in den September hinein blühen kann. Der Nektar liegt im Sporn verborgen, nur Insekten mit langem Saugrüssel wie Gartenhummeln und Taubenschwänzchen gelingt es, an den versteckten Schatz zu gelangen. Nach der Blüte bilden sich längliche, unbehaarte Fruchtkapseln mit zahlreichen kleinen schwarzen Samen. In ihnen ist die Konzentration der in der gesamten Pflanze enthaltenen Giftstoffe am höchsten.
Die „Blume des Jahres 2026“ steht stellvertretend für eine Vielzahl von Ackerwildkräutern, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt worden sind. Der Feldrittersporn wird in allen Bundesländern auf der Roten Liste geführt: In Hamburg gilt er bereits als „ausgestorben“, in Berlin und Schleswig-Holstein ist er „vom Aussterben bedroht“. Nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen schafft er es noch auf den Status „Vorwarnstufe“, die übrigen Bundesländer listen ihn als „gefährdet“ oder „stark gefährdet“.

Obwohl der Bambus des Jahres, Hibanobambusa tranquillans ‘Shiroshima’, starke Ausläufer bildet, hat er die Europäische Bambusgesellschaft (EBS) wegen seines auffallend panaschiert gestreiften Blattwerks überzeugt.
Er vereint Großblättrigkeit mit einer gewissen Größe im Habitus. Der Bambus ist mit seinen großen, auffällig schön panaschierten Blättern einzigartig im Bambussortiment. Bei der Verwendung im Garten benötigt er allerdings eine Rhizomsperre, eignet sich aber mit guter Winterhärte auch für die Kübelkultur.
Die wuchsfreudige Pflanze hat Halme mit einer Rinne (Sulcus) und einem Verzweigungsmuster ähnlich wie Phyllostachys. Die großen Blätter sind ein Merkmal aus der Sasa-Elternschaft. Die Halme sind meist 150 bis 300 cm hoch, aber bei optimalem Standort und längerer Standzeit sind auch Höhen bis 500 cm im mitteleuropäischen Klima möglich.
Die jungen Halme sind dunkelgrün, die Halmscheiden weißlich bis ockerfarben mit feinen Härchen. Das auffälligste sind die Blätter, die mit 20 bis 25 cm Länge und 4 bis 5 cm Breite groß und sehr auffallend grün-weiß-cremefarben panaschiert sind. Die Blattscheiden haben außergewöhnlich lange Wimpern.
Wie durch die Eltern zu erwarten, sind die Erfahrungen bezüglich Winterhärte positiv. Die Pflanzen vertragen trotz der großen Blätter Temperaturen bis nahe –20°C. Die Farbe der Blätter und auch die Leuchtkraft verändert sich über den Winter kaum. Die Pflanzung kann sonnig bis halbschattig erfolgen, Vollschatten ist nicht ratsam. Gut zur Geltung kommt Hibanobambusa tranquillans ‘Shiroshima’ in Einzelstellung als Solitär aber auch - wegen der recht guten Schnittverträglichkeit – als Hecke.
Die Wildpflanze des Jahres, der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) zieht Insekten, vor allem Käfer, magisch an. Deutschlands führender Ökoanbauverband Bioland e.V. hatte gemeinsam mit der Umwelt- und Naturschutzorganisation NaturGarten e.V. zur Wahl aufgerufen. Über 2.600 Menschen haben sich beteiligt und unter fünf heimischen Wildpflanzen abgestimmt.
Der Gewöhnliche Natternkopf öffnet vom Frühsommer bis in den Herbst seine Blüten, zunächst rosa, später blau verfärbt. Er wächst bevorzugt auf trockenen, sandigen bis steinigen Böden. Dabei ist er ein wahrer Insektenmagnet: Sein Nektar besitzt einen hohen Zuckergehalt und lockt zahlreiche Bestäuber an. Die Pflanze ist somit nicht nur ein farbenfroher Blickfang, sondern fördert auch eine vielfältige Insektenwelt.
„Der Natternkopf ist ein Türöffner in die Welt der Insekten“, so Carola Hoppen, Vorstand von NaturGarten. „Rund 120 pflanzenfressende Arten laden uns hier zum Entdecken unserer heimischen Vielfalt ein.“











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