
Miniwälder und waldähnliche Pflanzinseln
Angesichts immer heißerer Sommer, längerer Dürrephasen und zunehmender Extremwetter suchen Landschaftsplaner nach Lösungen, die sowohl das Klima schützen als auch die Lebensqualität vor Ort erhöhen – Tiny Forests bieten hierfür einen besonders anschaulichen Ansatz. Daraus entstand das Konzept der Urban Kontikis, die auch in Gärten umgesetzt werden können.
von klimafarmer erschienen am 27.04.2026Tiny Forests: Eine Idee aus Japan
Das Konzept geht auf die Miyawaki-Methode zurück, die in den 1970er-Jahren von dem japanischen Botaniker und Pflanzenökologen Akira Miyawaki entwickelt wurde. Auf einer kleinen Fläche ab etwa 100 Quadratmetern werden zahlreiche standortgerechte Baum- und Straucharten sehr dicht gepflanzt, sodass innerhalb weniger Jahre ein stabiler, sich weitgehend selbst entwickelnder Miniwald entsteht.
Entscheidend ist die vielfältige Wirkung dieser Kleinflächen, insbesondere, wenn sie innerhalb des bebauten Raums als Netz eingeplant werden: Sie verbessern das Mikroklima durch Verdunstungskühlung, filtern Feinstaub, mindern Lärm, schaffen wertvolle Lebensräume – sogenannte Trittsteinbiotope – für Insekten, Vögel und andere Tiere und bieten den Menschen Naturerfahrungsräume im direkten Lebensumfeld. In Zeiten des Klimawandels zeigt sich zudem, wie wertvoll solche grünen Inseln sind, um Wasser in der Fläche zu halten, Verdunstung zu ermöglichen und lokale Temperaturspitzen abzufedern.
Kleine Wälder und Wasser pflanzen
Inzwischen wird das Konzept der Tiny Forests in mehreren Städten Europas, auch in Deutschland, umgesetzt. Das ist naheliegend, denn gerade in Städten gibt es das Problem hoher Flächenversiegelung, verdichteter Böden und relativ wenig offener Grünflächen, weshalb die natürliche Funktionskette aus Versickerung, Speicherung und Verdunstung von Regenwasser vielfach unterbrochen ist. Der Permakultur-Designer Stefan Schwarzer beschreibt in seinem Buch „Aufbäumen gegen den Klimawandel – Wasser ist pflanzbar“ genau dieses Problem und schlägt im wahrsten Sinne des Wortes vor, Wasser zu pflanzen. Entscheidend ist dabei eine Bodenqualität und -gestaltung, die die kleinen Wasserkreisläufe stärkt, regionale Niederschläge aufnehmen kann und nutzbar macht.
2Boden für Bäume gut machen
Hier setzt die Idee an, mit Tiny Forests in Städten mehr klimawirksame Grünflächen zu schaffen. Offene Böden ermöglichen, dass Regenwasser vor Ort versickert, statt ungenutzt in die Kanalisation abzufließen. Durch tiefwurzelnde Pflanzen, Humusaufbau und ein aktives Bodenleben entsteht ein poröses Gefüge, das wie ein natürlicher Schwamm wirkt und Wasser über längere Zeit im Untergrund hält. Dieses gespeicherte Wasser kann über die Vegetation wieder verdunsten und trägt so zur Abkühlung der Umgebung und zur Bildung von Feuchtefeldern in der Atmosphäre bei, die wiederum lokale Niederschläge begünstigen. In dicht bebauten Quartieren führt das zu weniger Hitzestress, niedrigeren Oberflächentemperaturen und einem spürbar angenehmeren Stadtklima.
Ron Richter, Geschäftsführer der klimafarmer GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Nierstein, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Zusammenhang von Bodengüte und Klima: „Insbesondere Stadtböden sind häufig stark verdichtet, nährstoffarm, weisen stark schwankende Feuchteverhältnisse auf und können mit Schadstoffen belastet sein. Unter solchen Bedingungen haben junge Bäume es schwer, stabile Wurzelsysteme auszubilden und Trockenphasen zu überstehen. Im Rahmen unserer Tiny-Forest-Projekte wird der Boden daher gezielt aufbereitet. Er wird gelockert, mit organischem Material und Pflanzenkohle angereichert und so aufgebaut, dass er Wasser besser speichern und zugleich überschüssige Nässe nach Starkregen abpuffern kann.“
Kooperation und Förderung: Unterstützung für wirksame Projekte
Ein besonderer Hebel für die Umsetzung neuer Tiny-Forest-Projekte liegt in der Zusammenarbeit mit der MVV Stiftung Zukunft, die auch 2026 entsprechende Vorhaben unterstützt. Gefördert werden die Bodenvorbereitung sowie die Initialisierung der Flächen mit aufbereiteter Pflanzenkohle, um Humusaufbau, Wasserhaltekraft und ein gutes Anwachsen der Vegetation zu sichern.
Klimakohle für die Schwammstadt
Pflanzenkohle, auch Klimakohle genannt, besitzt aufgrund ihrer hohen Porosität eine enorm große innere Oberfläche und fungiert als stabile Struktur im Boden, die Wasser und Nährstoffe bindet und gleichzeitig Lebensraum für nützliche Mikroorganismen sowie Mykorrhiza-Pilze bietet. In Kombination mit Kompost und organischen Reststoffen entsteht so ein fruchtbares Substrat, das Wasser wie ein Schwamm aufnehmen, speichern und bedarfsgerecht an die Pflanzenwurzeln abgeben kann.
Qualität im Boden entscheidet
Mit der wachsenden Zahl an Tiny-Forest-Projekten steigt auch die Vielfalt der Ansätze – nicht immer mit gleichbleibender Qualität. Insbesondere beim Einsatz von Pflanzenkohle zeigt sich, dass nicht jede Kohle gleichermaßen geeignet ist. Im Rahmen professioneller Projekte wird Pflanzenkohle daher nicht als beliebiger Zuschlagstoff verstanden, sondern als zentraler Bestandteil eines abgestimmten Gesamtsystems. Entscheidend sind definierte Qualitätsparameter, ein kontrolliertes Aufbereitungs- und Aktivierungsverfahren sowie eine nachvollziehbare CO2-Bilanzierung. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die gewünschte Klimawirkung – insbesondere die dauerhafte Kohlenstoffbindung – tatsächlich erreicht wird. Unterschiedliche oder nicht geprüfte Kohlen können diese Wirkung erheblich beeinträchtigen und erschweren zudem eine belastbare fachliche Begleitung der Projekte.
Im Rahmen der Kooperation zwischen der MVV Stiftung Zukunft und den klimafarmern konnten bereits ein Dutzend Tiny-Forest-Projekte mit Pflanzenkohle-Substraten versorgt und über 50 Tonnen CO2 im Boden dauerhaft gespeichert werden. Die vielfältigen Vorhaben entstanden in Zusammenarbeit mit Initiativen in ganz Deutschland – von Schwäbisch Hall, Frankfurt, Rüsselsheim und Mannheim bis nach Kiel, Rohrlack und Ingelheim. Weitere Projekte befinden sich derzeit in Dortmund und Hannover in der Umsetzung.

Tiny Forest weitergedacht: Urban Kontikis und grüne Trittsteine
Neben klassischen Tiny Forests entwickeln sich zunehmend kleinere, flexible Formate für den urbanen Raum. Ein innovativer Ansatz von klimafarmer sind sogenannte „Urban Kontikis“ – auch als Baumboote bezeichnet. Diese Mini-Formate funktionieren wie kleinste Tiny Forests und können bereits auf Flächen von etwa 5 × 2 Metern umgesetzt werden. Sie eignen sich besonders für dicht bebaute Stadtbereiche, in denen größere Flächen nicht verfügbar sind. Als modulare Elemente können sie gezielt im Stadtraum verteilt werden und wirken als ökologische Trittsteine, die Lebensräume miteinander verbinden. Gleichzeitig können sie als visuelle Wegweiser dienen und Menschen intuitiv zu größeren Tiny-Forest-Flächen führen.
Kleine Flächen, große Wirkung
Die Urban Kontikis wirken wie Permakulturinseln, bei denen Bäume gezielt mit einer Unterpflanzung aus Sträuchern und Stauden kombiniert werden.
Diese biodiversen Pflanzinseln bieten damit mehrere Vorteile:
– Sie schaffen ganzjährig Blüh- und Nahrungsangebote für Insekten und Vögel.
– Durch unterschiedliche Wurzelsysteme wird der Boden besser erschlossen und stabilisiert.
– Der Wasserbedarf sinkt deutlich durch verbesserte Speicherung und Verdunstung.
– Pflegeaufwand und Bewässerungsintervalle können reduziert werden. – Die Umsetzung ist modular und schrittweise möglich.
Durch einfache Gestaltungselemente wie Einfassungen oder integrierte Gießringe lassen sich diese Flächen effizient bewirtschaften und in bestehende Grünräume integrieren. In Kombination mit Tiny Forests entsteht so ein Netzwerk aus größeren „Kernflächen“ und kleineren, verbindenden Inseln – ein urbanes Ökosystem, das Biodiversität stärkt, Wasser in der Stadt hält und das Mikroklima nachhaltig verbessert. Mehr Informationen und direkter Zugang zum klimafarmer-Webshop stehen unter:
www.klimafarmer.dewww.mvv-stiftung-zukunft.dewww.miya-forest.de











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