Verweile und genieße
Podeste können mehrere Zwecke im Garten erfüllen. Für einen Perspektivwechsel einerseits oder für einen notwendigen Zwischenstopp im Treppenverlauf andererseits angelegt, bringen sie Abwechslung und bieten zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Damit bequeme begehbare Treppenläufe und nutzbare Podeste gelingen, gibt es einfache Rechenformeln und ein paar Gestaltungstricks.
von Daniel Böswirth erschienen am 24.11.2025Als notwendiges Gestaltungsmittel im Hanggarten oder indem sie eine neue Ebene samt Perspektiven schaffen – Podeste ermöglichen es, den Garten zu erschließen und abwechslungsreicher zu machen.

Zwischenpodeste
Zwischenpodeste in Treppenläufen dienen dem Verweilen. Der ermüdende Aufstieg einer langen Treppe soll durch sie unterbrochen werden. Mehr als 18 Stufen hintereinander sind mühsam und sogar laut DIN im öffentlichen Raum nicht zumutbar. Als Ruhe- und Ausweichebenen sowie als Rastplatz können Podeste genutzt werden. Gestalterisch müssen wiederum Fragen nach dem besten Material, der Länge, dem richtigen Gefälle, dem Schritt- oder Richtungswechsel geklärt werden, damit sich Podeste nicht nur optimal in den Treppenlauf einfügen, sondern auch sicher begangen werden können.
Schritt und Norm
Das Maß aller Dinge ist der Mensch. Doch es kommt immer darauf an, wer geht. Die Schrittlänge ist naturgemäß abhängig von der Körpergröße und auch von der Fitness. Kinder und Senioren etwa haben im Durchschnitt in der Ebene eine Schrittlänge von 59 cm, während Sportler auf 65 cm kommen. Daraus ergibt sich das arithmetische Mittel von 63 cm. Das ist allerdings keine absolute Zahl, sondern geht von der Annahme aus, dass sich der Durchschnitt aller Schritte im Mittel bei dieser Zahl einpendelt. Manchmal wird die durchschnittliche Schrittlänge auch mit 65 cm angegeben. Ein Faktum ist, dass Männer wie Frauen in den letzten 100 Jahren im Durchschnitt gewachsen sind.
Als Gartenplanerin oder Gartenplaner kann man auf die individuellen Bedürfnisse der Gartenbesitzer eingehen und je nach durchschnittlicher Körpergröße eine maßgefertigte Treppe anfertigen, die perfekt zu besteigen ist. Leicht ermittelt können die Werte mit einem Bandmaß und einer genügend weiten Strecke in der Ebene werden. Ob 65 cm oder 63 cm, das Maß gilt nur in der Ebene. Beim Aufwärtssteigen verkürzt sich die Schrittlänge etwa um die Hälfte. Damit Treppen bequem und vor allem auch sicher begangen werden können, kommt die „Schrittmaßformel“ oder auch „Treppenformel“ zur Anwendung: Die zweifache Stufenhöhe (h) zuzüglich der Auftrittstiefe (a) = 63 (65). Bei einer Stufenhöhe beispielsweise von 16 cm ergibt sich eine Auftrittstiefe von 31 cm (2h + a = 63; 63 minus 32 = 31 cm).

Situation im Gelände
Treppen im Garten müssen meist nicht so große Höhenunterschiede wie in Gebäuden überwinden. Die vorgefertigten Garten- und Landschaftsbau-Blockstufen sind meist so zurechtgesägt, dass sich eine Stufenhöhe von 15 cm und ein Auftritt von 33 cm ergibt, wenn man von einem durchschnittlichen Schrittmaß von 63 cm ausgeht. Beim Bau von Treppen wird häufig der gepflasterten Stufe oder der Stellstufe der Vorzug gegeben, weil Anpassungen an Geländeverhältnisse, aber auch Wendelungen viel eleganter ausgeführt werden können. Stufenhöhen zwischen 14 bis 21 cm sind üblich, wobei Treppen mit einer geringeren Stufenhöhe angenehmer zu begehen sind. Welche Stufenhöhe man letztlich wählt, hängt auch vom Höhenunterschied ab, den man im Gelände vorfindet.
Gefälle bei Podesten und Treppen
Während Kinder Treppen mit Leichtigkeit hinauflaufen, sind sie für bewegungseingeschränkte Personen eine kleine oder größere Herausforderung. Ein treppenbegleitender Handlauf ist zwar im privaten Garten nicht Vorschrift, jedoch durchaus sinnvoll. Witterungsbedingt erhöht sich die Rutschgefahr bei Nässe, bei Glatteisbildung (überfrierender Regen) steigt die Verletzungsgefahr weiter erheblich. Daher ist die richtige Entwässerung immer entscheidend. Treppen werden nie seitlich, sondern immer in Laufrichtung entwässert. Je nach Material und Oberflächenbeschaffenheit variiert das Gefälle zwischen 1 und 3 %. Bei der Berechnung der Gesamthöhe der Treppe ist das Gefälle dementsprechend miteinzuberechnen.
Podestlänge
Unter der Podestlänge versteht man die Distanz zwischen der letzten vorderen Stufenkante bis zur ersten vorderen Stufenkante des neuen Treppenlaufes. Obwohl Podeste zum Verweilen und Rasten einladen, soll doch der Gehfluss, sofern man nicht rastet, ungestört bleiben. Um den Rhythmus beizubehalten und nicht mit einem unnatürlich verkürzten Schritt den neuen Treppenlauf beginnen zu müssen, errechnet man die Podestlänge nach der einfachen Formel: Podestlänge (p) = Auftrittstiefe (a) + die Anzahl der Schritte (n) 63 cm.
Wichtiger Schrittwechsel
Treppen, die einen Schrittwechsel bei Zwischenpodesten nicht beachten, irritieren, denn man beginnt den Antritt immer mit dem gleichen Bein. Dieses Detail scheint nebensächlich zu sein, wirkt sich aber deutlich aus, weil immer nur ein Bein, rechts oder links, einseitig belastet wird. Durch einen Schrittwechsel betritt man die weiterführende Treppe mit dem anderen Fuß, und das Hinaufsteigen ist weniger ermüdend. Lässt man auf eine gerade Stufenzahl auf dem Podest eine ungerade Schrittzahl folgen und umgekehrt, so ergibt sich ein Schrittwechsel automatisch.

Sichtachsen und Aussicht
Podeste im Sinne von erhöhten Plattformen erfreuen sich seit einiger Zeit einer immer größeren Beliebtheit in Gärten. Durch eine höhere Position ändert sich die Perspektive grundlegend. Statt die einzelnen Gartenelemente im ebenen Garten nur stückweise bzw. von einer einzigen Warte aus – der Augenhöhe – betrachten zu können, erfasst man aus der Vogelperspektive die großen Zusammenhänge. Plötzlich fällt einem auf, dass sich Linien sanft in geschwungene Mauern fortsetzen und das Ganze einen eleganten Bogen ergibt. So werden im Gestaltungskonzept eines Gartens, der zum Beispiel in seiner Geometrie dem Grundmotiv des Kreises oder der Ellipse folgt, erst durch die erhöhte Position all die versteckten und verspielten Details ersichtlich, weil man das gesamte Bild betrachtet und nicht nur einen Teil davon. Daher ist es wichtig, schöne Sichtachsen zu betonen und nicht etwa durch einen Großstrauch, Baum oder eine Gartenhütte zu verstellen. Hanggrundstücke profitieren oft durch eine schöne Aussicht und einen berauschenden Fernblick. Der Blick über den Zaun erschließt die Landschaft, eine hohe Hecke würde ihn nehmen.
Konstruktive Vorteile
Sehr schön lassen sich Podeste aus Holz bauen. Die erhöhte Bauweise kommt zugleich einem Grundprinzip des konstruktiven Holzschutzes entgegen: Durch das Absetzen der Plattform kann sich die bodennahe Feuchtigkeit weniger schädigend auswirken. Eine gute Hinterlüftung der Holzdielen sorgt für eine rasche Trocknung. Im Zwischenraum ist Platz genug, um etwaige technische Einbauten wie Bewässerungsschächte oder Pumpen für Wasserspiele zu verstecken und doch leicht zugänglich unterzubringen.
Über dem Wasser schweben
Besonders reizvoll kann man etwa einen Naturpool oder einen Schwimmteich mit einem erhöhten Sitzplatz verbinden. So entsteht ein wenig der Charakter eines Schiffes, das im Garten ankert. Ein Sonnensegel verstärkt diesen surrealen Eindruck noch. Unter der Plattform können sich ein Stauraum oder technische Einbauten befinden. An der Front macht sich ein Wasserfall gut, der zugleich die Rückführung vom Reinigungsfilter ist. Mit Anlauf fungiert der Sitzplatz zugleich auch als ein Sprungbrett. Ein Holzdeck mit Sitzkissen bringt weitere Urlaubsstimmung in den Garten: Der Sitzplatz wird zur Liegeinsel. Kleiner dimensioniert hat das Liegepodest auch abseits des Wassers seinen Reiz. Etwa im schrägen Gelände: In Kombination mit gestaffelten Trögen oder einer Stützmauer ergibt sich eine Ruheoase. Solche Plätze können zur linken oder rechten Seite einer Treppe zum Verweilen einladen.

Schwebende Steinplatte
Eine andere Variante der Erhöhung ergibt sich, wenn man eine Steinplatte knapp, also nur 10 cm über dem Wasser befestigt. Dafür braucht es solide Punktfundamente außerhalb und im Teich. Der Effekt: Der schwebende, schwere Stein steht im krassen Gegensatz zum beweglichen, lebendigen Wasser. Damit die Platte nicht bricht, bedarf die Platte einer gewissen Dicke. Bei Stärken unter 7 cm ist die Bruchgefahr zu hoch, da ja die Steinplatte nicht vollflächig aufliegt.

Auf das Podest gestellt
Ebene Gärten können durch Geländemodellierungen um vieles interessanter gestaltet werden. Dafür braucht es keine großen Erdbewegungen. Geschickt ineinander verschachtelte Plattformen, etwa um einen Baum herum, ermöglichen in dieser Dimension Liege- und Sitzflächen zugleich. Schon mit 30 oder 50 cm Erhöhung entsteht eine vom restlichen Garten abgesetzte Fläche, die eine eigene Einheit bildet. Verwirklichen lässt sich ein derart geplanter Sitzplatz sehr gut mit einer Umrandung aus Blockstufen. Sie sind nach der Stufenformel zurechtgeschnitten, und es ergibt sich damit eine angenehm zu ersteigende Höhe von 15 cm. Verwendet man zwei Reihen Blockstufen, so beträgt der Höhenunterschied bereits 30 cm. Der Treppencharakter wird verstärkt, der großzügig bemessene Aufgang ist von mehreren Seiten zu ersteigen. Der Sitzplatz erhebt sich als Bühne aus dem Garten und wirkt gewissermaßen erhaben und einladend zugleich.

Erhöhte Pavillons
Eine besonders reizvolle, wenn auch nostalgisch anmutende Möglichkeit, sich einen erhöhten Sitzplatz in den Garten zu holen, besteht darin, einen auf einen Treppensockel gestellten Pavillon zu errichten. Als kompaktes Bauwerk aus Holz bietet er den Vorteil, dass er unter seinem Dach zugleich Sonnen- wie Regenschutz gewährt. Häufig sind die seitlichen Wände mit Kletterpflanzen berankt. Rosen, Geißblatt und Waldreben machen sich auf dem Rankgitter gut. Die Seitenwände geben durch ihre Verkleidung einen Windschutz ab. Ein Pavillon, ob halb oder ganz verschlossen, muss jedoch zur Gesamtkonzeption des Gartens passen, damit er nicht als Fremdkörper isoliert bleibt.

Hoch hinaus!
Für die immer Junggebliebenen zeichnet sich ein aus England stammender Trend auch bei uns ab: Plattformen hoch in die Kronen der Bäume gezimmert. Dafür braucht es natürlich einen geeigneten Baum, der gesund ist und auch stattlich gewachsen. Eine solide Konstruktion erfordert viel Erfahrung. Doch die einzigartige Lage rechtfertigt den hohen Aufwand allemal. Ob eine einfache Holzstiege hinaufführt oder eine gewendelte Treppe, zwischen Blätterwolken und Vögeln schwebt man in jedem Fall in gewisser Weise einfach über den Dingen.




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