
Von der Schotterwüste zum lebendigen Vorgarten
Sie galten als pflegeleicht, als modern, als einfache Lösung für eine ungeliebte Fläche: Sogenannte Schottergärten vor den Häusern hatten einige Jahre eine Hochphase. Doch jetzt wird allerorts der Rückbau der Schottergärten thematisiert und gar gefordert.
von BGL Quelle BGL erschienen am 30.03.2026Dass es sich bei Schottergärten schwerlich um „Gärten“ handelt und die Bezeichnung mittlerweile von Schotterwüste abgelöst wurde, erklärt sich fast von selbst. Denn zwischen toten Steinen und auf Plastikfolie fühlt sich kaum eine Pflanze wohl, auch wenn einzelne Ziergräser oder Solitärstauden gepflanzt wurden. Es ist zu karg, zu heiß, zu wenig Regenwasser versickert bis an die Wurzeln.
Nicht so pflegeleicht wie versprochen
Gerade während der heißen Sommertage merkt man als Hausbewohner/-in schnell, wie stark sich die Steine aufheizen und die Wärme vor allem während der Nacht wieder an ihre Umgebung abgeben. Als Versickerungsfläche für Regenwasser stehen sie nicht zur Verfügung – Überschwemmung bei Starkregen ist vorprogrammiert –, und die Pflegeleichtigkeit hat sich auch relativ schnell als in das Gegenteil verkehrt. Laub, Samen und Staub landen zwischen dem aufgeschütteten Schotter und bilden mit der Zeit eine Humusschicht, auf der sich Unkräuter ansiedeln. Moos zeigt sich ebenfalls relativ schnell. Mühsam, dagegen anzuräumen, zu jäten, zu putzen ...
Rückbau von Schotterflächen wird gefordert
Mittlerweile werden auch die gesetzlichen Regelungen und Kontrollen hinsichtlich der grauen Flächen im Garten vielerorts strenger. Zwar gilt in allen Bundesländern schon viele Jahre, dass nicht überbaute Flächen zu begrünen sind – darüber hinaus sahen sich viele Bundesländer in den letzten Jahren aber gezwungen, ihre Bauordnungen nachzuschärfen und die Begrünung nicht überbauter Grundstücksflächen ausdrücklich vorzuschreiben. Der Rückbau bereits ergrauter Flächen wird immer lauter gefordert. Was also tun, wenn man Besitzer/-in einer Schotterwüste ist und handeln möchte – sei es, weil man sich an dem Grau sattgesehen hat oder seine negativen Eigenschaften erkannt hat?
1Aus Schotterwüste wird Steingarten
Es ist wie bei allen Produkten: Behalten und weiternutzen ist besser, als auf den Müll zu werfen. „Wichtig für die Umgestaltung ist aber, dass unter dem Schotter keine Folie liegt. Denn diese verhindert, dass Regenwasser versickern kann und Bodenorganismen sich frei bis an die Erdoberfläche bewegen können“, erklärt Uschi App vom BGL. „Wurde eine Folie ausgebracht, muss diese zuallererst fachgerecht entfernt und entsorgt werden.“ Anschließend werden Schotter und Kies wieder ausgebracht und mit Feinkornelementen, zum Beispiel mit Grubensand, angereichert. Der Boden wird aufgearbeitet, gelockert, gegebenenfalls mit Humus durchmischt und zum Schluss mit Pflanzen begrünt, die von Natur aus an karge Standorte angepasst sind, wie Steppen-Salbei (Salvia nemorosa), Felsenbirne (Amelanchier ovalis) oder die Bibernell-Rose (Rosa pimpinellifolia). Auch Wolfsmilchgewächse, die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) oder Kissenstauden lassen die vormals graue Fläche erblühen.
Lazaruseffekt vor dem Haus: Von tot zu lebendig
Falls die Lust auf Schotter komplett vergangen ist, kommt eine umfangreiche Umgestaltung infrage. Hier tragen die Profis für Garten und Landschaft alle Steine ab, entfernen die Folie, sorgen für einen gelockerten, lebendigen Boden und schaffen mit einer Vielzahl an Pflanzen eine grüne und blühende Fläche. Pflegeleichte Bepflanzung gelingt im Vorgarten mit Ziergräsern – von imposanten Exemplaren wie dem Chinaschilf (Miscanthus sinensis), das Sichtschutz und Hingucker zugleich ist, bis hin zu bodendeckenden Varianten wie der Japan-Segge (Carex foliosissima). Ideale Beetpartner sind blütenreiche Stauden wie Astern, Anemonen oder Echinacea, die für kräftige Farben und Bienensurren sorgen.
Wer ausreichend Platz hat, verwendet den Schotter auch in dieser lebendigen Gestaltung weiter. Schön ist etwa eine kleine Fläche mit Bank, auf der man sich entspannen, mit Nachbarn ins Gespräch kommen oder einfach die Pflanzenvielfalt im Jahresverlauf genießen kann. „Vom Entsorgen raten wir ab“, betont Uschi App vom BGL. „Ressourcenschonung bedeutet auch, Materialien weiterzuverwenden, auch wenn sich der persönliche Geschmack oder das Umweltbewusstsein verändert hat. Recycling und Wiederverwendung sind im Garten- und Landschaftsbau ein immer größer werdendes Thema.“
Weitere Informationen zum Thema Vorgarten sowie verschiedene Gestaltungsideen und eine Liste mit landschaftsgärtnerischen Fachbetrieben gibt es auf www.mein-traumgarten.de.


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